Deutschland

Im Zentrum der Arbeit »Deutschland« steht die fotografische Betrachtung von sich in der Öffentlichkeit aufhaltender Personen, die sich ihrem Zusammenspiel mit ihrer Umgebung nicht oder nur wenig im Klaren sind. Wie verhält sie der Einzelne, wenn er sich keiner äußeren Betrachtung bewusst ist, frei von Selbstreflexion mit seiner Umgebung interagiert? Anja Engelke fotografiert auf der Straße, beobachte still aber nicht heimlich ihre Umgebung, sieht, arrangiere mit dem Fotoapparat, greife aber nicht ein, lasse die Menschen bei sich. Die möglichen Geschichten entstehen im Kopf des Betrachters. Dieser greift zurück auf seinen Erfahrungsschatz, baut mit Hilfe zurückliegender Erfahrungen seinen eigenen Kontext. Tagesaktuelle Geschehen können den Bildern neue Richtungen geben, neue Türen öffnen. Die kleinen Zeichen des Alltags werden hierbei wichtig, bekommen die Macht, Bedeutungen zu intensivieren oder gar zu ändern. Bewusst bleiben Fragen offen; was ist das, was war da und warum? Der Betrachter wird auf sich zurückgeworfen, sich seiner Identität bewusster und bleibt dem Zweifel überlassen, ob auch er in dieser Weise gesehen werden kann.